Montag, 5. November 2007

Wie ein Lager der Tuchmacherzunft den Neumarkt spaltet

Seit nun einiger Zeit planen helle Köpfe eine Neugestaltung des Neumarktes und es sind ja auch schon viele neue Gebäude entstanden, aber irgendwie sehen die neuen Gebäude auch wieder alt aus (man könnte auch historisch sagen). Was macht man nun, wenn man etwas neuzeitlichen Flair auf den Platz bringen möchte? Man such einen Bauplatz und fragt einfach ein paar Architekten nach Lösungen.

So dann mal zum Bauplatz. Die Bebauung von den 30iger Jahren konnte man mit Hilfe von Fotos und bewegten Bildern (Filme) ganz gut rekonstruieren, aber da waren nur barocke Bauten zu finden. Da ist also kein Platz für den Bau zu sehen. Da wird man wohl noch ein paar Jahre zurück gehen müssen und siehe da man findet auf alten Bilder ein Gewandhaus. Mensch das könnte man doch wieder aufbauen. (Das alte Gewandhaus wurde 1791 entfernt, um die Platz symmetrischer zu gestalten). So OK Platz gefunden, auf zum Architekturwettbewerb... Viele bekannte oder auch unbekannte Architekten hatten Ihren Spass daran ein neuzeitliches Gebäude zu entwerfen, immerhin kann man sich selbst wieder der Nachwelt hinterlassen. Der Dresdner Neumarkt ist doch super dafür geeignet, es besteht berechtigte Hoffnung, dass das Gebäude auch auf Postkarten abgedruckt wird. Am Ende konnte jedoch nur einer gewinnen und es wurde, tata: ein neuzeitlicher Betonklotz. Da ich nicht Architektur studiert habe, kann ich keine genauere Beschreibung liefern. Meiner Meinung nach würde das Gebäude einfach nicht an den dortigen Ort passen und das Gesamtkonzept Neumarkt zerstören.

Jetzt höre ich gleich wieder tausende Architekten schreien: wieder einer der nur an Altem hängt und nicht offen für neues ist. Aber ehrlich Leute schaut Euch doch bitte mal die meisten westdeutschen Städte an, hier wurde in der 60'iger und 70'iger des letzten Jahrhunderts auch tolle Architekturen in die Landschaft gesetzt und heute wäre man froh, wenn es diese modernen Schandtaten nicht gegeben hätte. Damals gelobt und heute zum Abriss freigegeben (schaut einfach mal zum technischen Rathaus nach Frankfurt a.M.; das wird auch nicht mehr lange stehen). Wäre man damals mit etwas Sachverstand an die Sache rangegangen, so könnte man sich heute viel Ärger ersparen. Da aus Fehlern lernen uncool ist, macht man die gleichen Fehler lieber wieder aufs Neue.

Scheinbar regt sich dann aber doch noch Widerstand in Dresden und viele bezweifeln, dass das Gebäude wirklich an den dortigen Platz passt. Was macht man in so einem Fall? Plan verwerfen? Architektur überdenken? Demokratisches Votum? Nein das wäre alles viel zu einfach, wir erleichtern dem Stadtrat (und damit auch allen restlichen Dresdnern) den notwendigen Aufwand zur Erhöhung der Vorstellungskraft: Wir bauen ein Gerüst mit Planen, dass das Gebäude schon einmal simuliert. Wie doof ist das denn? Wir schmeissen mal Geld zum Fenster raus, um was zu zeigen was keiner will an einer Stelle die seit über 200 Jahren nicht bebaut war? Haben wir wirklich keine anderen Sorgen mehr? Hat sich denn schon einmal jemand gefragt, wozu wir das Gebäude überhaupt brauchen? Gibt es nicht schon genügend Leerstand (auch in Zentrumsnähe) oder wie wäre ein anderer Bauplatz. Ich könnte mir gut vorstellen, dass am Postplatz das alte Haus des Buches sicherlich auch gerne eine Erneuerung erfahren würde.

Zum Glück haben wir in Dresden Übung mit Bürgerbegehren und so finden sich auch diesmal wieder Leute, die endlich eine objektive Meinung erzeugen wollen. Hier ein paar Links zu interessanten Internetseiten zu dem Thema:


Ich weiss, dass war schon wieder etwas gemeckert, aber leider gibt es immer wieder so schöne Vorlagen dazu... Ich bin wieder an allen Meinung zu dem Thema interessiert, vielleicht kann ja jemand einen Gegenstandpunkt darstellen oder auch meine Meinung untermauern.

Bis zum nächsten Mal.

Montag, 29. Oktober 2007

Dynamo hat mal wieder Millionen verspielt

Na am Wochenende wieder mal im Bereich des Harbig-Stadions gewesen? Ok, alle Fußball-Fans waren sicherlich anzutreffen, um sich wieder unseren Dritt-/ Fünftklassigen Verein (Dynamo) anzuschauen. Pro Spiel jagten dann ein paar Fußballer dem Ball hinterher und am Ende gab es auch ein Ergebnis, was aber in diesen Klassen doch ziemlich egal ist. Über die spielerischen Qualitäten sollen sich andere aufregen oder auch lobend erwähnen, wie gut man doch ist... ist doch auch nur Ansichtssache.

Für mich als Dresdner zählt dann doch mehr das bunte Rahmenprogramm der Veranstaltung. Jeder durfte wieder seine Steine mitbringen und diese den Fans der anderen Mannschaft oder auch der Polizei zum Geschenk machen. Ohne den Austausch von Nettigkeiten wäre Fußball ja auch langweilig. Im Vorfeld des Spieles haben dann auch viele angekündigt, dass Sie gerne Ihren Beitrag leisten wollen und so waren im ganzen Stadtgebiet Nachrichten wie 28.10.2007 Tötet Lok zu lesen. Da sich viele Fans ankündigten, wollte die Polizei natürlich nicht fehlen und so wurde für das gesamte Wochenende (Samstag, Sonntag) der Bereich Bahnhof zum Harbig-Stadion einfach mal zum Sperrgebiet erklärt...

...tja und wie war es anders zu erwarten; es gab wieder die üblichen Ausschreitungen und der Stein-Geschenke-Austausch wurde nicht ganz so positiv aufgefasst. Als eher unbeteiligter denkt man sich dann, solln'se doch und besser wäre es, wenn man die Polizei einfach abzieht. Auf dem zweiten Blick stellt sich einem jedoch unweigerlich die Frage: Wer bezahlt eigentlich den ganzen Sch...? Die Antwort: Jeder der in Deutschland sein Geld verdient und Steuern bezahlt.

Na super: Nur damit irgendwelche Mittelklassevereine sich rumprügeln können, muss man mal ne Mio. pro Spiel locker machen. Ganz toll!

Dazu konnte man heute in der sz-online lesen:

Nach Schätzungen des „Fanprojektes Dresden“ hat der Polizeieinsatz am Samstag und Sonntag in Dresden etwa zwei Millionen Euro gekostet.

So dann will ich die Zahl nochmal ausschreiben: 2.000.000 € für zwei Spiele eines Mittelklasse Fußballvereins. Warum lassen die den überhaupt noch Zuschauer zu den Spielen zu? Wenn man seine Fans nicht in den Griff bekommt, hat man auch keine Berechtigung zu spielen! Hier werden Gelder verschleudert, ja man könnte die Scheine auch gleich öffentlich verbrennen, die an anderer Stelle mehr als dringend benötigt werden. Aber da lässt man doch lieber die Dresdner Schwimmhallen verfallen:

Sächsische Zeitung vom 27.10.2007:

Offensichtlich ist der Zustand der Schwimmhalle in Dresden-Klotzsche doch deutlich schlimmer als bisher angenommen. Sportbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) bittet jetzt den Stadtrat um zusätzlich 300400 Euro.... Die erforderliche Summe soll vorerst von den Sanierungskosten für das Gymnasium Romain-Roland abgezwackt werden.

Danke genau das brauchen wir... rein rechnerisch: Hätte man die Spiele am Wochenende abgesagt, so hätte man die Schwimmhalle fast sieben mal für die Nachwelt erhalten können. So, das war jetzt auch nur ein kleines Beispiel, also ich finde es richtig zum K...., dass hier so sinnlos Gelder verschwendet werden. (Bitte jetzt nicht mir erklären, dass das Geld nicht aus dem Stadttopf kommt und sowieso anders umgelagert wird...)

Naja, Ihr könnt Euch Euer eigenes Urteil bilden... und auch gerne hier als Kommentar posten.